Von Thomas

​Aktualisiert 27/04/2020

Kreditkarten haben offensichtliche und versteckte Kosten​.

​Es gibt in Deutschland kostenlose Kreditkarten ohne einen Haken und Kreditkarten mit ​einer Jahresgebühr von mehr als 600€ mit versteckten Kosten​.

​​Hier habe ich 12 mögliche Kosten von Kreditkarten gesammelt, ​Beispielen und ​versteckten Kostenfallen. 

1. Zahle ich als Kunde für die Verwendung von Kreditkarten?

Nein. Händler zahlen eine Gebühr für die Annahme von Kreditkarten. Verbaucher zahlen in Deutschland keine ​Kreditkartengebühr. ​​​

​​Kreditkarten-Institute wie Mastercard schließen in den AGB die Weitergabe von Händlergebühren an Kunden aus. Es gibt auch eine EU-Richtlinie gegen Kreditkartengebühren. ​Einige Flugvergleichsportale ignorieren das leider nach wie vor. ​

2. ​​Wie hoch ist die Jahresgebühr von Kreditkarten?

​Die gängisten Kreditkarten haben in Deutschland eine Jahresgebühr zwischen 0€ bis 660€. ​Dauerhaft von der Jahresgebühr befreit ist zum Beispiel die Hanseatic Genial Card, die Barclay Card Visa und das DKB Cash Konto mit Visa Kreditkarte.

Kreditkarten mit einer Jahresgebühr haben Zusatzleistungen, zum Beispiel Versicherungen, günstigere Zinsen und Rabatte. Die häufigsten Angebote in Deutschland schwanken zwischen 12€ für die Barclay Card Student, ​35€ für die Genial Card Gold von der Hanseatic Bank und 660€ (55€ pro Monat) für die​ American Express Platin​. 

Befreiung im 1. Jahr oder durch Umsatz: ​​​​Als Neukundenrabatt erlassen Banken gerne den Jahresbeitrag im ersten Beitragsjahr. ​Eine andere Lösung ist ein Mindestumsatz, ab der keine Jahresgebühr anfällt. ​Die Hanseatic Gold Card ist zum Beispiel im ersten Beitragsjahr von der Jahresgebühr befreit und in den Folgejahren ab einem Umsatz von 3.000€. ​Auf Antrag ​verzichtet American Express auf den Beitrag für die Amex Gold ab 10.000€.

​3. Kreditrahmen und Kosten für Zinsen

​​Echte Kreditkarten und Revolvoing Kreditkarten haben einen Verfügungsrahmen (Kreditrahmen).​ Richtig abgerechnet verursachen ​solche Kreditkarten keine Zinsen. Es gibt folgenden Unterschied:

  • Echte Kreditkarten (Credit Card): die gesammelten Monatsumsätze werden im Folgemonat mit dem hinterlegten Girokonto zu 100% automatisch abgerechnet. Bis dahin fallen keine Zinsen an. ​Zinsen fallen nur an, falls der ​Ausgleich zum Rechnungsdatum nicht möglich ist. Ein Beispiel für eine echte Kreditkarte mit der Möglichkeit einer 100%ig automatischen Abrechnung ohne Kontenwechsel ist die Hanseatic Genial Card. 
  • Revolving Card: ​ist eine Kreditkarte mit einem eingebauten Ratenkredit. Automatisch wird nur ein Teil der gesammelten Monatsumsätze abgerechnet. ​Ein händischer Ausgleich der Kreditkartenrechnung ist möglich. Wird das nicht gemacht, entwickeln sich Revolving Cards zu einer Schuldenfalle. ​Ein Beispiel ist eine automatische Abrechnung von mindestens 50€ pro Monat oder 3% der Abrechnungssumme. ​Ein Beispiel für eine Revolving Card ist die Santander 1plus Visa Card. 

Ausnahmen: Einige Banken verlangen für einzelne Dienstleistungen auch mit Echten Kreditkarten (Credit Card) Zinsen vor der nächsten Abrechnung. Ein Beispiel dafür ist die Advanzia Gold Card. Mit ihr fallen schon am 3. Tag nach dem Geld abheben Zinsen an.

​4. Geldautomatengebühr und Fremdautomatengebühr

​Es gibt Kreditkarten, die weltweit keine Gebühren für das Geld abheben verlangen, Karten mit einer generellen Geldautomatengebühr und ​Karten mit einer Fremdautomatengebühr. ​

Eine Fremdautomatengebühr fällt für Geldautomaten an, die nicht zur eigenen Bank oder einer Partnerbank gehören. Zusätzlich behandeln Banken ​gerne EU-Mitgliedsländer und Drittländer ​unterschiedlich.

​Falls Banken eine Gebühr verlangen, ist ein prozentualer Anteil am ​abgehobenen Betrag zwischen​ 0,5% bis 5% mit einem Mindestbetrag zwischen 4 und 10€ oder eine Pauschale zwischen 4 bis 10€ ​ist in Deutschland üblich. 

​Kostenlos ist das Geld abheben weltweit mit der gebührenfreien Hanseatic Genial Card, für Aktivkunden der DKB Cash ab einem abgehobenen Betrag von 50€ oder mit der Barclaycard Visa. Teuer ist die Amerixan Exress Platin, mit einer Mindestgebühr von 5€ oder 4% der abgehobenen Summe. Online-Banken haben oft eine Freimenge pro Monat. ​Das kostenlose N26 Konto ​erlaubt zum Beispiel 5 Bargeldabhebungen pro Monat ohne Gebühren.

​5. Was ist die Fremdwährungsgebühr?

Die meisten deutschen Kreditkarten haben eine Fremdwährungsgebühr oder eine Auslandseinsatzgebühr zwischen 1 bis 3% der Rechnungssumme. Zur Auslandseinsatzgebühr komme ich im nächsten Punkt. ​

Die Fremdwährungsgebühr ist eine Gebühr für die Umrechnung von Währungen. Im Fall von Visa und Mastercard hängt sie von deiner herausgebenden Bank ab. Visa und Mastercard verlangt keine eigene Fremdwährungsgebühr. Amex und Diners Card Kreditkarten haben eine eigene Fremdwährungsgebühr.

​Kreditkarte ohne eine Fremdwährungsgebühr kommen deswegen in Deutschland von Visa und Mastercard.

Beispiel: Du zahlst mit einer in Euro geführten Kreditkarte in einem Restaurant in Dänemark mit Dänischen Kronen oder bestellst waren aus einem Online-Shop in US-Dollar aus den USA. ​​​​Keine Fremdwährungsgebühr fällt zum Beispiel mit der Hanseatic Genial Card, Transferwise Borderless und der Barclaycard Visa an.

​6. Was ist die Auslandseinsatzgebühr?

​Die Auslandseinsatzgebühr ähnelt der Fremdwährungsgebühr. ​Sie macht im Schnitt 1 bis 3% der Rechnungssumme aus. Der Unterschied ist, dass die Auslandseinsatzgebühr auch anfällt, falls du eine Rechnung ​in einem Drittland außerhalb der EU in Euro bezahlst. Das kann zum Beispiel eine Bestellung aus einem Online-Shop in den USA in Euro oder eine Restaurantrechnung in Euro i​n Thailand sein. 

Innerhalb der Euro-Zone gibt es keine Auslandseinsatzgebühr ​​mit Euro-Rechnungen. 

Außerhalb der Euro-Zone, zum Beispiel in Polen, können Banken eine Fremdwährungsgebühr anstatt einer Auslandseinsatzgebühr verlangen. ​

​Keine eigene Auslandseinsatzgebühr verlangen Visa und Mastercard. Die Gebühr hängt von den Konditionen deiner Bank ab. ​​Kreditkarten ohne eine Fremdwährungs- und ohne eine Auslandseinsatzgebühr gibt es in Deutschland deswegen nur von Visa und Mastercard. Ein Beispiel dafür ist die Genial Visa Card, die ​​Barclaycard Visa und die ​Curve App Mastercard. 

​7. Aufladegebühr und Überweisungen auf das Kreditkartenkonto

Manche Banken verlangen für das Aufladen (Überweisungen) auf das Kreditkartenkonto eine Gebühr. 

​Das ist eine häufige Gebühr von Prepaid und Virtuellen-Kreditkarten. Mit Prepaid und Virtuellen-Kreditkarten kann nur das Geld ausgegeben werden, dass auf dem Konto vorhanden ist. ​​Weil mit der Aufladung der Karten Kosten verbunden sein können, verlangen Banken eine Gebühr. Meistens macht sie 0,5 bis 1% der Überweisungssumme aus. ​Transferwise ist eine Debit Prepaid Mastercard, mit der keine Gebühren für die Überweisungen auf das Konto in Euro in der EU anfallen. 

​Ein Sonderfall ist die Überweisung von Geld auf das Kreditkartenkonto zur Erhöhung des Limits. Damit kann man zum Beispiel teure Ausgaben über dem normalen Kreditrahmen zahlen. Dafür ​verlangen manche Herausgeber von Kreditkarten eine Gebühr. Ein Beispiel ist eine Kreditkarte mit einem Rahmen von 1.000€, auf die 2.000€ überwiesen werden, zur Zahlung einer Reise für die Familie um 3.000€.

8. Welchen Wechselkurs verwenden Kreditkarten?

Der Kurs von Kreditkarten ist günstiger als mit einer EC-Karte und in den Wechselstuben. Der Kurs von Visa und Mastercard weicht vom echten Marktpreis (Devisenmittelkurs) nur 0,2 bis 1,5% ab. Die genaue Abweichung hängt von der Währung ab. Seltene Währungen haben einen höheren Aufschlag.

American Express und Diners Card haben einen schlechteren Kurs. 

Banken können sich entscheiden, ob sie mit dem Kurs des Kreditkarteninstituts oder einem eigenen Wechselkurs abrechnen. Der Kurs von Banken ist mit wenigen Ausnahmen immer schlechter als von Kreditkarteninstituten. Leider schreiben sehr wenige Banken an, welchen Kurs sie genau verwenden.

Die Zahlung mit einer Kreditkarte ist in Fremdwährungen in der Regel trotzdem die günstigste Lösung. Das vermeidet auch den Vergleich von Wechselstuben und zu viel gewechseltes Geld.

Positive Beispiele: die Transferwise rechnet seine Mastercard Kreditkarte in mehr als 50 Währungen mit dem echten Marktpreis ab. Die Abrechnung von allen anderen Visa und Mastercard Kreditkarten mit dem echten Marktpreis ist mit der Curve App möglich. Das funktioniert über eine zentrale Mastercard Debit Kreditkarte von Curve, die vor die anderen Kreditkarten geschaltet wird.

​9. Porto für den Versand

Ein Porto für den Versand der Kreditkarten verlangen ​Herausgeber von Prepaid Kreditkarten gerne. Dadurch sollen Spaß-Bestellungen von Karten verhindert werden. Die meisten Anbieter sind dazu übergegangen, dass eine erste kleine Überweisung auf das Konto für den kostenlosen Versand der Karte ausreicht.

​Kleine Regionalbanken verlangen abgesehen davon noch gerne eine Gebühr für den Versand von Kreditkarten. 

10. Eigengebühren von Geldautomaten

Betreiber von Geldautomaten können von deiner Kreditkarte unabhängige Gebühr für das Geld abheben verlangen. ​Das kommt speziell mit Touristengeldautomaten, zum Beispiel von Euronet und Geldautomaten in Ländern wie Thailand, der Türkei und den USA vor.

Hebe deswegen immer dort Geld ab, wo das auch die Einheimischen machen. Geldautomaten in Wechselstuben, Flughäfen und ​Bahnhöfen sind meistens eine Kostenfalle.

Die Herausgeber von Kreditkarten haben keinen Einfluss darauf, ob Betreiber von Geldautomaten eine Gebühr verlangen oder nicht. Die meisten Banken und Kreditkarteninstitute haben auf ihrer Webseite oder in der App eine Liste mit Geldautomaten (ATM), mit denen das Geld abheben kostenlos ist. ​

​​Ersatz von Eigengebühren: ​​Früher haben einige deutsche Banken auf Antrag Eigengebühren von Geldautomaten ersetzt. Das hat DKB zum Beispiel lange gemacht. Als letzte Bank hat das Service die Santander mit der 1plus Visa Card im April 2020 eingestellt. ​

​11. Dynamic Currency Conversion

​Die Dynamic Currency Conversion (DCC) ist kein Service, sondern die meiner Meinung nach häufigste Touristenfalle der Welt.

Kennst du die Frage von Geldautomaten oder Kartenlesegeräten im Ausland: "In Euro oder in der Landeswährung abrechnen?" Rechnest du außerhalb der Euro-Zone in Euro ab, darf der Betreiber der Geldautomaten, des Kartenlesegeräts oder des Online-Shops den Wechselkurs festlegen.

Der Kreditkartenkurs, speziell von Visa und Mastercard, ist günstiger. Ich habe noch nie das Gegenteil gesehen. Die Umrechnung mit DCC kostet meist 4 bis 12% der Rechnungssumme. Dazu kommt, dass Banken trotzdem eine Auslandseinsatzgebühr verlangen können, weil die Zahlung im Ausland ​war.

Das kann auch mit Online-Shops vorkommen. Ein Beispiel dafür ist eine Bestellung mit Amazon.com aus den USA mit dem Umrechnungskurs von Amazon. Das machen fast alle Online-Shops so, egal ob Reiseportal, ​Kleidung oder Spieleplattform.

Wichtig: Rechne Zahlungen mit einer Kreditkarte immer in der Währung der Kreditkarte ab! Bedeutet, rechne mit einer Euro-Kreditkarte immer in Euro ab. Das Kreditkarteninstitut oder die Bank erledigt die Umrechnung. Machst du das nicht, kann der Händler einen eigenen Wechselkurs festlegen. Der Kurs ist meist 4 bis 12% schlechter.

​12. Mögliche andere Kosten

  • Ersatzkarte: abgelaufene Kreditkarten ersetzten Banken in der Regel kostenlos. Zusätzlich ist eine Ersatzkarte pro Jahr meisten kostenlos möglich. Einige Banken verlangen dafür auch einen kleinen Betrag, zum Beispiel 10€.
  • Mahnkosten: kein Ausgleich der monatlichen Rechnung oder der Teilzahlung.
  • Partnerkarten: die Ausstellung von Partnerkarten ist meistens kostenlos möglich. Falls zur Kreditkarte in Versicherungspaket gehört, verlangen manche Banken eine Jahresgebühr für die Ausstellung von Partnerkarten.
  • Rückbuchung: eine Gebühr für die Rückbuchung von falsch überwiesenen Zahlungen ist üblich. 
  • Bezahl-Apps: Google Pay und Apple Pay verursacht keine zusätzlichen Kosten. Es gibt aber Apps, die du vorab aufladen musst. Dadurch können Kosten anfallen.

​Gibt es tatsächlich kostenlose Kreditkarten?

Das Worst-Case-Szenario ist das Geld abheben ​in einer Fremdwährung mit Dynamic Currency Conversion, Auslandseinsatzgebühr, Fremdautomatengebühr, einer Eigengebühr des Geldautomaten, einer Jahresgebühr der Kreditkarte und einer Teilzahlung der Kreditkartenrechnung.

Die tatsächlichen Kosten hängen schlussendlich von den Konditionen der Kreditkarte und ihrer Verwendung ab. Es gibt echte Kreditkarten mit einer automatischen Abrechnung ohne Jahresgebühr, ohne Auslandseinsatzgebühr und ohne Geldautomatengebühr. Ist dein Konto nicht gedeckt, fallen trotzdem Zinsen für die Ratenzahlung an. 

Die Hanseatic Genial Visa Card, ​die DKB Cash ​Visa und die ​Barclay Card Visa kommen ​meiner Meinung nach der Rolle einer kostenlosen Kreditkarte am nächsten. Die Curve App Mastercard ist ein Upgrade für alle Visa und Mastercard Kreditkarten. ​

Falls du dazu noch eine Frage hast, eine eigene Meinung oder Erfahrungen teilen möchtest, dann schreibe mir gerne unten in den Kommentaren.

​Über den Autor

Thomas

​Ich reise jedes Jahr in mehr als 20 Länder. ​Dadurch ist mein Interesse für die Konditionen, den Einsatz und Gebühren von Kreditkarten​ entstanden. Meine Freundin Daria hat ​in einer der größten Banken in Deutschland gearbeitet. ​Zusammen teilen wir hier unsere ​Ratschläge ​zu Kreditkarten.

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